Pepe Mujica // Film // CHRONOLOGIE

Pepe Mujica Roter SternCHRONOLOGIE

1935
José (Pepe) Alberto Mujica Cordano in Montevideo geboren

1944
Lucía Topolansky Saavedra in Montevideo geboren

1958/59
Im Zweiparteiensystem Uruguays übernehmen die Blancos nach langer Zeit wieder die Regierung von den Colorados. Wirtschaftliche Reformen, die die für ganz Südamerika beispielhaften sozialen Standards angreifen, führen zu schweren Unruhen. 1959 stürzt das Land, nach Jahren der wirtschaftlichen Prosperität und Stabilität, zusehends in die Krise.

1960er Jahre
Mit der Massenarbeitslosigkeit und zunehmender Inflation verschärfen sich die politischen Auseinandersetzungen.

1965
Neben Raúl Sendic, Eleuterio Fernández Huidobro und anderen gehört Pepe Mujica zu den Gründungsmitgliedern der Stadtguerilla MLN – Tupamaros (Movimiento de Liberación Nacional – Tupamaros).

Pepe Mujica: Polizei jagd Demonstranten

1966
Erste bewaffnete Aktionen der Tupamaros, Personen kommen dabei nicht zu Schaden. So verschaffen sie sich Zugang zu Beweisen für illegale Finanzgeschäfte und veröffentlichen die Informationen. Internationale Bekanntheit erlangen die Tupamaros z.B. durch die Kaperung eines Lebensmittel-LKWs, dessen Inhalt sie an die Bevölkerung verteilen. Der Presse ist es untersagt, den Namen „Tupamaros“ zu erwähnen. Im Laufe des Jahres kommt es zu Verhaftungen führender Mitglieder der Tupamaros.

1967
Jorge Pacheco Areco (Colorados) wird Präsident Uruguays. Die repressiven Maßnahmen gegen die rebellierenden Studenten, Arbeiter und Basisorganisationen verschärfen sich.

Lucía Topolansky schließt sich der MLN an.

1968/69
Die Regierung Pacheco ruft den Notstand aus. Zahlreiche Verhaftungen von Mitgliedern legaler politischer Organisationen. Die Tupamaros intensivieren ihre bewaffneten Aktionen.

»Unser wichtigstes Ziel war, das Bewusstsein in der Bevölkerung zu schärfen. Wir haben uns weniger als Guerrilla verstanden, mehr als politische Bewegung mit Waffen. Wir träumten davon, dass der Sozialismus vor der Tür steht. Wir stellten es uns viel einfacher vor, eine neue Gesellschaft aufzubauen, dass das alles nur eine Frage der Zeit wäre, aber eigentlich unabwendbar. Wir hatten diesen Glauben, und dieser Glaube hat uns angetrieben. Heute gibt es das nicht mehr für die Jugend. Es sind andere historische Umstände. Es gibt die Unzufriedenheit mit dem Bestehenden, aber nicht mehr diese feste Überzeugung von der Möglichkeit einer besseren Welt.« (Pepe Mujica)

Pepe Mujica: Ausweis

1970
Im März wird Pepe Mujica bei seiner Festnahme in Montevideo schwer verletzt. Auch Lucía Topolansky wird verhaftet, kann aber wenige Monate später fliehen.

Am 31. Juli entführen die Tupamaros den US-Polizeioffizier Dan Mitrione und zwei weitere Geiseln. Mitrione hatte im Auftrag der US-Regierung seit 1969 die Sicherheitskräfte Uruguays in der Aufstandsbekämpfung, insbesondere in Foltermethoden ausgebildet. Die Regierung verhängt den Ausnahmezustand, kämmt das Land Haus für Haus durch und lässt Tausende Regierungsgegner verhaften und foltern. Die Tupamaros bieten den Austausch von Mitrione gegen 150 politische Gefangene an, worauf die Regierung nicht eingeht. Am 10. August wird Mitrione erschossen aufgefunden. Die zwei anderen Geiseln werden wenig später freigelassen.

Pepe Mujica: Fluchttunnel

Gefängniszelle mit Tunneleinstieg

1971
Im September gelingt 110 inhaftierten Tupamaros, darunter Pepe Mujica, die Massenflucht aus dem Gefängnis Punta Carretas durch einen Tunnel zwischen einer Gefängniszelle und einem benachbarten Wohnhaus. Im Oktober wird Pepe Mujica erneut festgenommen.

1972
Mit dem Amtsantritt des neuen Präsidenten Juan María Bordaberry (Colorados) und der Berufung von Militärs in die Regierung ist das Land auf dem Weg in die Militärdiktatur.
Im April gelingt Pepe Mujica mit 12 anderen Tupamaros die erneute Flucht aus Punta Carretas durch einen Fluchttunnel. Lucía Topolansky ist an der Durchführung dieser Aktion von außen beteiligt.

»Wir haben uns im MLN kennengelernt, in der Zeit des Untergrunds. In der Illegalität waren wir in Gruppen aufgeteilt. Mal traf man sich, mal nicht. Der Zufall wollte es, dass wir uns kennenlernten, als keiner von uns einen Partner hatte, und wir sind ein Paar geworden, ganz einfach … Das war 1972.« (Lucía Topolansky)

Ausrufung des Kriegszustandes. 35.000 Soldaten und Polizisten durchkämmen das Land nach Verstecken der Guerilla und anderen Oppositionellen.

Pepe Mujica, Lucía Topolansky werden wie fast die gesamte Führung der Tupamaros erneut gefasst.

Aufhebung des Kriegszustands am 11. Juli. Gegen die einschneidenden wirtschaftlichen und politischen Maßnahmen kommt es immer wieder zu Streiks und Protesten.

1973
Verschärfung der Wirtschaftskrise. Am 27. Juni Suspendierung der Verfassung, Auflösung des Parlaments und Etablierung einer zivil-militärischen Diktatur mit der vor allem aus Generälen zusammengesetzten Regierungsjunta. Die Gewerkschaften reagieren mit einem Generalstreik, der gewaltsam niedergeschlagen wird. Verbot von Gewerkschaften und Parteien, Verhaftungen von Führern und Mitgliedern linksorientierter Organisationen, zahlreiche Hinrichtungen. Bis 1975 verlassen über 1 Million Uruguayer das Land.

Pepe Mujica und acht weitere Tupamaros werden von der Militärdiktatur als Geiseln in verschärfte Haft genommen, unter Androhung der Exekution bei Wiederaufnahme militärischer Aktionen. Die Geiseln werden auf Militärkasernen verteilt. Fast zwei Jahre verbringt Pepe Mujica in einer Einzelzelle, auf dem bloßem Boden einer alten Pferdetränke. Bis zur Amnestie 1985 bleiben die Gefangenen der Tupamaros unter brutalen Bedingungen inhaftiert. Vor allem in den letzten Jahren der Haft schwerwiegende gesundheitliche Folgen.

»Ich spreche nicht gern darüber. Wer kämpft, mit oder ohne Erfolg, wer sich in den sozialen Wandel verliebt hat und sich als Revolutionär sieht, muss damit leben, dass Tod und Gefängnis mögliche Konsequenzen sind. Die Menschen sind seltsame Wesen: Sie riskieren ihr Leben beim Rasen im Auto mit 300 Stundenkilometern. Es erscheint mir viel vernünftiger, das Leben für eine schöne Sache zu riskieren.« (Pepe Mujica)

1976
Die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen werden abgesagt. Das Militär stürzt Präsident Bordaberry, zum neuen Präsidenten wird Aparacio Méndez bestimmt.

1981
General Gregorio Álvarez Armelino wird Präsident. Allmähliche demokratische Öffnung, Wiederzulassung von Parteien und Gewerkschaften.

1984
Nach einem Generalstreik erklärt sich das Militär zur Übergabe der Macht bereit. Vorbereitung der Präsidentschaftswahlen auf Grundlage der Verfassung von 1967.

1985
Julio María Sanguinetti (Colorados) wird zum Präsidenten gewählt. In den Folgejahren große wirtschaftliche, soziale und politische Verbesserungen.

»Ich kann mich in die Opposition hineinversetzen. Für jeden in dieser Situation ist es schwer sich vorzustellen, dass jemand, der im Gefängnis und im bewaffneten Kampf war, Präsidentschaftskandidat und dann sogar Präsident wird. Ich kann das sehr gut verstehen. Aber diesen kulturellen Sprung, diesen Umbruch ohne Vorurteile hat die Bevölkerung ermöglicht. Sie hat gewählt. Die Menschen haben verstanden, dass Pepe Präsident sein konnte.« (Lucía Topolansky)

Pepe Mujica: Nach der Entlassung 1985

Nach der Freilassung 1985

8. März: Pepe Mujica und Lucía Topolansky werden im Zuge des Amnestiegesetzes nach über 13 Jahren aus der Haft entlassen. Sie beziehen eine Finca in der Nähe von Montevideo, wo sie in einem kleinen Agrarbetrieb Blumen anbauen.

1989/90
Die früheren Tupamaros gründen die Partei Movimiento de Participación Popular (MPP) und treten dem Mitte-Links-Bündnis Frente Amplio bei.
Luis Alberto Lacalle (Blancos) gewinnt die Präsidentschaftswahlen. MPP und Frente Amplio sind im Parlament vertreten. In Montevideo wird Tabaré Vázquez vom Frente Amplio zum Bürgermeister gewählt.

1994/95
Bei den Parlamentswahlen Ende 1994 wird Pepe Mujica zum MPP-Abgeordneten für das Departamento Montevideo in das Repräsentantenhaus gewählt. Lucía Topolansky wird stellvertretende Stadträtin von Montevideo.

1995/96
Heidi Specogna und Rainer Hoffmann drehen TUPAMAROS, den ersten Film über Pepe Mujica und Lucía Topolansky.

1999/2000
Bei den Präsidentschaftswahlen setzt sich der Kandidat der Blancos, Jorge Batlle Ibañez, knapp gegen den Kandidaten des Frente Amplio Tabaré Vázquez durch.
Lucía Topolansky wird als stellvertretende Abgeordnete ins Repräsentantenhaus, Pepe Mujica in den Senat gewählt. 2004 wird Pepe Mujica Dritter Vizepräsident des Senats.

2004/05
Tabaré Vazquez wird zum Präsidenten gewählt und löst die fast 180jährige Vorherrschaft der Colorados und Blancos ab. Bei den Parlamentswahlen erreicht der MPP im Frente Amplio die höchste Stimmenanzahl einer Partei.

Lucía Topolansky wird als Abgeordnete ins Repräsentantenhaus gewählt. Pepe Mujica wird als Senator wiedergewählt. Im März 2005 wird Pepe Mujica in der Regierung Vázquez Minister für Viehzucht, Landwirtschaft und Fischerei. Lucía Topolansky übernimmt als reguläre Stellvertreterin Pepe Mujicas seinen Sitz im Senat.

Heirat von Pepe Mujica und Lucía Topolansky.

»Manche Dinge sind sehr einfach. Männer verlieben sich in Frauen, Frauen verlieben sich in Männer. So ist das Leben. Wenn wir das zu sehr ergründen wollen, geht uns die Poesie im Leben verloren … Bei Gefahr, in unsicheren Verhältnissen wächst unser Bedürfnis nach Liebe, das ist vielleicht eine instinktive Suche nach Sicherheit. Es zeigt, dass wir das Leben lieben. Meine Gefährtin ist mein Zufluchtsort, und ich bin es für sie.« (Pepe Mujica)

2008
Verfassungsgemäß darf Präsident Tabaré Vázquez nicht unmittelbar nach seiner ersten Regierungsperiode erneut bei den Präsidentschaftswahlen kandidieren.

Pepe Mujica Traktor

Im März gibt Pepe Mujica sein Ministeramt ab und kehrt auf seinen Senatssitz zurück. Ende des Jahres wird er zu einem der Präsidentschaftskandidaten des Frente Amplio vorgeschlagen.

2009
Bei den internen Vorwahlen im Juni wird Pepe Mujica zum Präsidentschaftskandidaten des Frente Amplio gewählt. Im Oktober verfehlt Pepe Mujica bei den Präsidentschaftswahlen im ersten Wahlgang knapp die absolte Mehrheit, im zweiten Wahlgang im November gewinnt er mit über 52%.

2010-2014
Am 1. März 2010 wird Pepe Mujica als Präsident vereidigt. Die Abnahme des Eids obliegt verfassungsgemäß der Senatorin, die mit den meisten Stimmen gewählt wurde, der „Primera Senadora de la nación“: Das ist Lucía Topolansky. Pepe Mujica verzichtet auf den Umzug in den Präsidentenpalast, er und Lucía Topolansky bleiben in ihrer Finca wohnen. Knapp 90% seines Präsidentengehalts spendet Mujica an NGOs und soziale Projekte.

In der Amtszeit Pepe Mujicas kann der Anteil der Menschenunterhalb der Armutsgrenze von 34 auf 11% gesenkt werden. 98% der Bevölkerung haben Zugang zu sauberem Trinkwasser, 70% sind an die Abwasserversorgung angeschlossen. Die Arbeitslosenquote ist mit 6% eine der niedrigsten in Lateinamerika. Ein Sonderprogramm, in das auch Teile des gespendeten Präsidentengehalts einfließen, ist dem Wohnungsbau gewidmet, unter Einbeziehung der Privatwirtschaft und der Mithilfe der Menschen vor Ort. Die soziale Ungleichheit in Uruguay, das seit 10 Jahren ein beträchtliches Wirtschaftswachstum verzeichnet, besteht indes weiter: ca. 40% der Arbeiter müssen mit dem Mindestlohn von knapp 500$ auskommen.

Pepe Mujica Angela Merkel

Wirtschaftspolitisch sorgt der pragmatische Kurs Pepe Mujicas, besonders die Unterstützung umstrittener Großprojekte mit internationaler Finanzierung wie dem Übertage-Abbau von Eisenerz und Anbau von Gen-Soja, in den eigenen Reihen immer wieder für Reibungspunkte. Der Versuch der Regierung Mujicas, mit einer Sonderabgabe einen Teil der exorbitant steigenden Gewinne des Agrobusiness abzuschöpfen, scheitert am Obersten Gerichtshof, dessen Urteil sich auf die immer noch gültige Verfassung von 1967 stützt.

»Ich weiß, dass der Bau eines kleinen Hauses nicht die Probleme der Gesellschaft löst, dass man damit nicht den Sozialismus verwirklicht. Es geht einfach um sehr arme Menschen, die jetzt ein bisschen besser leben können. Das ist keine Revolution. Aber es geht um ein Mindestmaß an Würde. Man darf das Leben einer Generation nicht opfern, um in der Zukunft vielleicht eine etwas bessere Menschheit zu haben. Das Leben geht für die Leute schnell vorbei. Wir müssen uns deshalb um die konkreten Probleme kümmern – und gleichzeitig versuchen, etwas Langfristiges aufbauen.
Aber wir dürfen den Leuten keinen Opferweg abverlangen, weil uns das von ihnen trennen würde. Und wenn wir uns politisch von den Menschen entfernen, bleibt am Ende kein anderer Weg als die Gewalt, der Zwang und die Diktatur. Ich glaube, das ist einer der schwerwiegendsten Fehler, die das sozialistische Lager begangen hat. Wir müssen jetzt neue Wege gehen.« (Pepe Mujica)

Gesellschaftspolitisch macht Uruguay unter der Präsidentschaft Mujicas vor allem durch zwei Initiativen von sich reden: Nachdem bereits 2009 homosexuelle Lebensgemeinschaften legalen Status erhalten haben, wird die Gleichstellung mit dem Recht auf Adoption und mit der Zulassung der Eheschließung zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern fortgeführt. Im Mai 2014 tritt das weltweit erste Gesetzt in Kraft, das Anbau und Verkauf von Marihuana unter staatlicher Kontrolle legalisiert – Pepe Mujica versteht dieses Gesetz explizit als Maßnahme im Kampf gegen die Drogenkartelle und die damit verbundene Kriminalität.

2014/15
Bei den Präsidentschaftswahlen im Oktober 2014 tritt Pepe Mujicas Vorgänger Tabaré Vázquez für die Frente Amplio gegen Lacalle Pou, den Sohn des ehemaligen Präsidenten Luzis Alberto Lacalle (1990-95) und Pedro Bordaberry, den Sohn des ehemaligen Diktators Juan María Bordaberry an und wird im zweiten Wahlgang erneut gewählt.

Pepe Mujica und Lucía Topolansky werden in den Senat gewählt. Die MPP wird erneut stärkste Partei innerhalb des Frente Amplio.